Buch-Rezension „Solopreneur: Plädoyer zum Alleingang“

Firmentypen neu gedacht - Buch-Rezension "Solopreneur: Plädoyer zum Alleingang", Quelle: http://smartbusinessconcepts.pressefach.de/medien/

Manchmal kaufe ich Bücher als eBook, manchmal auf Papier. Mein bevorzugter Lieferant ist dabei buch7.de. Zuletzt ließ ich mir das Buch „Solopreneur – Alleine schneller am Ziel“ von Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg in die Packstation legen. Mich machte neugierig, was denn ein „Solopreneur“ ist.
Denn die zwei Fragen für Gründer Brauche ich ein Team für meine Idee? und Wieviel Kapital ist wirklich nötig? werden allzu oft schnell mit „ja“ und „möglichst viel“ beantwortet. Das Buch hilft zu hinterfragen, ob das wirklich so sein muss: Ist Team & Fremdkapital die unverzichtbare Voraussetzung für eine Gründung?

In aller Kürze: Nein – es kommt darauf an. Es kann viel sinnvoller sein Alleine unterwegs zu sein. Das Buch enthält dazu eine große Menge von Informationen & Anregungen. Und es ist ein „Plädoyer zum Alleingang“ – aber weniger ein konkreter Ratgeber wie Solopreneur denn nun genau „geht“.

Im folgenden was bei mir hängenblieb – sicher unvollständig

– bei geweckter Neugier: Im Buch steht noch viel mehr. Mach Dir selbst ein Bild und kauf das Buch…
Mein Fazit: Das Buch sollte kaufen wer…

  • …mehr über neue Firmentypen (egal wie man sie nun genau bezeichnet) wissen will
  • …das Gefühl hat, das beschreibt doch das, was ich sowieso schon immer mache aber einen Überblick dazu will
  • …Ideen sucht oder hat – und sich die Frage nach Team & Kapital stellt.

Meine Rezension der 11 Kapitel von „Solopreneur“: Begriffsklärung, Archetypen, kreativer Raum, Team oder solo, Fallbeispiele, Mindset…


Kapitel 1: Begriffsklärung

„Solopreneur“-Business bedeutet

  • schlanke, ortsunabhängige und
  • von 1 oder 2 Menschen direkt kontrollierte Geschäftskonzepte,
  • die Komponenten & Dienstleister nutzen,
  • stark vernetzt sind und
  • eigene skalierbare Produkte und Projekte haben.

Beispiele sind memorius.de und die hasenfarm. Der Buchslogan „Solopreneur – Alleine schneller am Ziel“ relativert sich dabei doch etwas: Ehepaare oder auch die beiden Gründer von kavaj.de sollen sich laut Buch noch „Solopreneur“ nennen dürfen. „Solopreneur-Paare“ ist für mich ein Oxymoron. Hier meine ich, kommt die Schublade „Solopreneur“ etwas an seine Grenzen. „SmartBusiness“ oder „Micropreneur“ trifft es für mich da besser.

Wobei: Wie sich das Business letztlich nennt, ist für den Entrepreneur nicht so wichtig. Für die Familie Conta Gromberg ist es dagegen schon: Denn Teil ihrer Tätigkeit als Solopreneur ist es, die Prinzipien die sie lehren auch auf die eigenen Marken und Geschäftstätigkeiten anzuwenden. Und da ist eine Positionierung als die „Solopreneur-Experten“ zentral.


Kapitel 2 und 3:

Die Kapitel tangieren oberflächlich u.a. die möglichen Rechtsformen (GbR nicht solotauglich, außer für Paare), die Bedeutung von Eigenverantwortung & Krankheit und die Rolle des Solopreneurs.


Kapitel 4:

Vorgestellt werden die fünf Archetypen des Solopreneurs. Unterschieden werden

Die Gretchenfrage ist dabei, wie das eigene skalierbare Produkt gestaltet wird. Z. B. beim Problemlöser besteht die Gefahr, dass das Problem an ein Projekt oder eine einzelne Fragestellung gebunden ist. Dadurch kann die Lösung kaum in weiteren Situationen nochmals ohne weiteren großen Aufwand verkauft werden – was dann keine Skalierung mehr ist.


Kapitel 5:

Hier beginnen die Autoren mit einem Outing als Apple-Fans, der wohl eine sehr persönliche Note ist, aber auf mich wie ein Werbeblock wirkt. Das eigentlich Interessante für mich in diesem Kapitel ist, dass darin auf die Skalierung genauer eingegangen wird. Es ist eigentlich simpel – man muss es sich bei Produkten genau überlegen was das nun bedeutet: Die Skalierung hat drei Ebenen:

  • Preis,
  • Stückzahl und
  • Region.

Das bedeutet einfach, den Preis zu optimeren, möglichst viele Verkäufe zu machen und möglichst die ganze Erde zu adressieren.
Wichtig sei dabei aber auch, dass man in Wachstums- und Schrumfungsrichtung skalieren kann. Denn wenn es mal nicht so gut läuft, dürfen keine Lasten entstehen, die dem Geschäftsmodell das Genick brechen.


Kapitel 6:

Wie sieht der „kreative Raum“ des Solopreneurs aus? Die Autoren sehen den

  • klassischen Solopreneur (eigenes Büro),
  • den Home-Office-Solopreneur,
  • den Coworking-Solopreneuer und
  • den Globetrotter-Solopreneur.

Letztlich geht es für ein Einzelnen darum, seinen kreativen Raum zu finden, der eine Kombination der genannten Räume sein kann und „Fokuszeiten“ ermöglicht.


Kapitel 7 und 8:

Diese beiden Kapitel widmen sich der Frage „Team oder solo„. Die gängige Startups-Betrachtung in Wettbewerben, Veranstaltungen und Beratungen zielt oft auf das „Team“ als Startpunkt und wichtigste Start-Variable. Das Buch ist hier mit seinem „Plädoyer zum Alleingang“ im Zentrum: Die Autoren sind überzeugt, dass es auch Alleine, ohne Team geht.

Meine Einschätzung: Es kommt darauf an was man vor hat. Ein Gründer muss die die Frage „Team oder solo“ genauer überlegen. Reicht eine Komponentengründung?
Da viele Stimmen der Gründerszene diese Frage automatisch mit „ja, ein Team muss es sei“ beantworten ist das Buch ein interessantes Gegengewicht.

Auch im Kapitel:

  • eat your own dogfood“ kann ein gutes Prinzip sein, wenn es um die Produktqualität und Perspektive geht. Man sollte seine Idee nicht nur mögen sondern auch leben.
  • Sehr wichtig ist die Frage, ob Fremdkapital wirklich nötig ist. Viel Fremdkapital verleitet ggf. dazu sich völlig unnötige und überdimensionierte Dinge einzukaufen.

Kapitel 9:

In Fallbeispielen werden Solopreneur vorgestellt.

  • Zum Start wird Rosy Green Wool vorgestellt. Das ist eine tolle Idee und dazu auch München von Dr. Rosmary Stegmann und Patrick Gruban. Nun ist es aber so: Viele viele Seiten hat man in dem Buch erklärt bekommen, was denn nun ein Solopreneur sei und was eher nicht. Und „Rosy Green Wool“ ist dazu sicher kein Musterbeispiel, nur mit einigen zugedrückten Hühneraugen erscheint das Muster „Solopreneur“ zu passen. Denn insbesondere die Skalierung ist sehr untergeordnet. Das ist ja auch völlig ok. Nur eben als Musterbeispiel Solopreneur passt es nicht.
  • Es folgen Susanne Firmenich mit hamburgerliebe.blogspot.de
  • Dagmar Ruth Vogel mit Hundebusiness
  • Rechtsanwalt Artjom Pestov mit mangelanzeige.de und volkskanzlei.de

Allen gemein ist die Leidenschaft für Ihre Geschäftsnische und der Business-Aufbau nach den Solopreneur-Prinzipien. Wobei man diese Prinzipien ja flexibel auslegen kann.


Kapitel 10:

Anders als in den vorherigen Kapiteln wird das Buch hier konkreter zum Einstieg und Betrieb:

  • Was ist nun eine geeignete Idee für einen Solopreneur?
    Ein Indiz kann sein, dass sie sich früh rechnen, langfristig laufen (z. B. nicht nur zu einer Fußball-WM). Grundsätzlich sollte man nicht nach dem „heiligen Gral“ suchen und den „Ball flachhalten“. Entscheidend sei der Markt: Die Nachfrage muss da sein für das eigene Produkt.
  • Dabei ist die zentrale, entscheidende Aufgabe des Solopreneurs das Marketing und der Vertrieb.
    Das kann man kaum outsourcen, das muss man selbst machen. Und auch den Verkaufsprozess muss man selbst planen und realisieren – nur ständig operativ durchführen muss man ihn nicht selbst.
  • Man sollte sich über seine Erreichbarkeit Gedanken machen? Muss es sein, dass man telefonisch ständig erreichbar ist? Oder sind zendesk.de oder helpscout.net sinnvoller?
  • Die Empfehlung ist: Komponenten einsetzen – keine eigene Technik aufbauen
  • Tolle Beispiele: equitax, Hans Fex

Kapitel 11:

Das abschließende Kapitel geht auf das „Mindset“, die Einstellung des Solopreneurs ein: Wie geht ich mit Fehlern um? Wie führe ich mich selbst? Fast zum Buchende: Selbständige sehen sich oft als Zulieferer, Solopreneure als Produktentwickler. Das Buch zeigt, was das für ein fundamentaler Unterschied ist.

2 Antworten zu “Buch-Rezension „Solopreneur: Plädoyer zum Alleingang“”

  1. Bernhard

    Hallo Christoph,

    Danke fürs Lob!

    Meine Darstellung ist grob verkürzend. „alle“ geht natürlich nur für Google, facebook etc. und mag das Ziel ambitionierter Startups sein.
    Ich zitiere aus dem Buch: „Wenn Sie mit einem hohen Erlös pro Stück viele Exemplare in vielen Regionen verkaufen, haben sie eine optimale Skalierung.“
    Konkretes Beispiel: Wenn man sein Produkt auf englisch macht ist das einfach eine andere Nummer / Region als nur auf deutsch.

    Viele Grüße
    Bernhard

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  2. Hi Bernhard,

    schöne Zusammenfassung und vielen Dank für die Arbeit, die darin steckt!

    Woraus ich nicht ganz schlau werde ist Kapitel 5 „Skalierung“:
    Schlagen die Autoren wirklich vor als Einzelkämpfer ein Produkt für „alle“ zu machen?
    Ich sehe nicht wie das wirklich funktionieren kann – sowas ist normalerweise ein komplett neuartiges Produkt und man muss den Leuten erstmal klar machen, dass sie es wollen/brauchen. Das ist kapitalintensiv und wirklich eine Aufgabe für ein Team.

    Viele Grüße
    Christoph

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